Auswandern nach Singapur

Territorialprinzip, Tarif bis 24 % und Arbeitspässe 2026: was du als Selbstständiger wissen musst.

Warum Singapur? Niedrige Steuern, strenge Einreise

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Singapur gehört zu den stabilsten Wirtschaftsstandorten der Welt. Englisch ist Arbeitssprache, die Verwaltung ist digital und verlässlich. Steuerlich ist der Stadtstaat für Privatpersonen interessant: Einkommen aus dem Ausland bleibt grundsätzlich steuerfrei, auch wenn du es nach Singapur überweist. Kapitalgewinne, Erbschaften und Vermögen werden gar nicht besteuert.

Der Haken liegt woanders. Singapur vergibt Aufenthaltstitel fast nur über einen Job, eine eigene Singapur-Gesellschaft mit echtem Geschäft oder hohe Investitionen. Ein Visum für digitale Nomaden oder Selbstständige mit Auslandskunden gibt es nicht.

Dazu kommt: Arbeit, die du in Singapur erbringst, gilt als Einkommen aus Singapur und wird dort besteuert, egal wo deine Kunden sitzen. Auf dieser Seite findest du den aktuellen Stand: Steuern, Arbeitspässe, Wegzug aus Deutschland und wie eine US LLC zu Singapur passt.

Singapur auf einen Blick

Singapur ist kein Land ohne Einkommensteuer, sondern ein Standort mit niedrigem Tarif und Territorialprinzip. Das sind die wichtigsten Punkte:

Territorialprinzip

Auslandseinkommen von Privatpersonen bleibt steuerfrei, auch bei Überweisung. Arbeit vor Ort zählt aber als Einkommen aus Singapur.

Tarif bis 24 %

Die ersten 20.000 S$ bleiben steuerfrei. Danach steigt der Tarif in Stufen, den Höchstsatz von 24 % zahlst du erst ab 1 Mio. S$.

Kapitalgewinne frei

Singapur kennt keine Steuer auf Kapitalgewinne, keine Erbschaftsteuer und keine Vermögensteuer.

17 % für Firmen

Gesellschaften zahlen 17 % Körperschaftsteuer. Für kleinere Gewinne liegt die Belastung durch Teilbefreiungen deutlich darunter.

Kein Nomadenvisum

Langfristig bleiben kannst du nur mit Arbeitspass, eigener Singapur-Firma mit EntrePass oder einer hohen Investition.

DBA mit Deutschland

Das DBA vom 28. Juni 2004 gilt seit 2007. Ein Änderungsprotokoll von 2019 ist seit März 2021 in Kraft.

Singapur

Steuern in Singapur 2026

Ansässigkeit

Steuerlich ansässig bist du, wenn du im Kalenderjahr mindestens 183 Tage in Singapur lebst oder arbeitest. Daneben gibt es Vereinfachungen: Wer sich über drei aufeinanderfolgende Kalenderjahre in Singapur aufhält, gilt für alle drei Jahre als ansässig. Mit einem Arbeitspass, der mindestens ein Jahr gilt, wirst du zunächst ebenfalls als ansässig behandelt.

Einkommensteuer für Ansässige

Der Tarif ist progressiv und gilt seit dem Veranlagungsjahr 2024 in dieser Form (Beträge in Singapur-Dollar):

  • bis 20.000 S$: 0 %
  • 20.001 bis 40.000 S$: 2 % bzw. 3,5 %
  • 40.001 bis 120.000 S$: 7 % bzw. 11,5 %
  • 120.001 bis 320.000 S$: 15 % bis 20 %
  • 320.001 bis 1 Mio. S$: 22 % bzw. 23 %
  • über 1 Mio. S$: 24 %

Nicht Ansässige zahlen grundsätzlich pauschal 24 %. Für Arbeitslohn gilt der höhere Betrag aus 15 % pauschal und dem Tarif für Ansässige.

Territorialprinzip

Singapur besteuert Einkommen, das in Singapur entsteht, und im Grundsatz Auslandseinkommen, wenn es nach Singapur überwiesen wird. Für Privatpersonen ist ausländisches Einkommen aber auch bei Überweisung steuerfrei. Die Ausnahme ist Einkommen, das über eine Personengesellschaft in Singapur bezogen wird. Kapitalgewinne sind nicht steuerpflichtig, solange sie nicht als gewerbliche Tätigkeit gelten.

Wichtig für Selbstständige: Entscheidend ist, wo die Arbeit erbracht wird. Leistungen, die du physisch in Singapur erbringst, sind Einkommen aus Singapur, auch wenn deine Kunden im Ausland sitzen und das Geld auf ein ausländisches Konto fließt. Das Territorialprinzip hilft dir hier nicht.

Gesellschaften

Die Körperschaftsteuer beträgt 17 %. Von den ersten 200.000 S$ Gewinn ist ein Teil steuerfrei, für neue Gesellschaften in den ersten drei Jahren etwas mehr. Ausschüttungen einer Singapur-Gesellschaft sind beim Gesellschafter steuerfrei. Auslandseinkommen einer Gesellschaft ist bei Überweisung nach Singapur grundsätzlich steuerpflichtig, für bestimmte Einkunftsarten gibt es Befreiungen.

Sozialversicherung

Die staatliche Vorsorge CPF gilt nur für Staatsbürger und Personen mit Daueraufenthalt (PR). Als Ausländer mit Arbeitspass zahlst du keine CPF-Beiträge. Dafür baust du dort auch keine staatliche Absicherung auf. Deine deutsche Krankenversicherung endet in der Regel mit dem Wegzug, plane deshalb eine private Absicherung ein.

Steuern in Singapur 2026
Aufenthalt und Arbeitspässe
Singapur

Aufenthalt und Arbeitspässe

Als Deutscher kannst du ohne Visum für bis zu 90 Tage einreisen, zum Beispiel für Geschäftstermine. Arbeiten oder dauerhaft wohnen darfst du damit nicht. Für einen längeren Aufenthalt brauchst du einen Pass des Arbeitsministeriums MOM. Die wichtigsten Wege:

Employment Pass (EP): Für Fach- und Führungskräfte mit Arbeitgeber in Singapur. Das kann auch eine eigene Singapur-Gesellschaft sein, MOM prüft sie dann aber genau. Das Mindestgehalt liegt aktuell bei 5.600 S$ im Monat und steigt mit dem Alter auf bis zu 10.700 S$ ab 45 Jahren. Im Finanzsektor gelten höhere Werte. Zusätzlich musst du im Punktesystem COMPASS mindestens 40 Punkte erreichen, außer dein festes Monatsgehalt liegt bei mindestens 22.500 S$.

Hinweis: Für neue Anträge ab dem 1. Januar 2027 steigt das Mindestgehalt auf 6.000 S$, ab 45 Jahren auf bis zu 11.500 S$. Für Verlängerungen gilt das ab 2028.

EntrePass: Für Gründer einer Singapur Pte Ltd, an der du mindestens 30 % hältst. Die Firma muss risikokapitalfinanziert sein oder innovative Technologie besitzen. Du musst mindestens ein Kriterium erfüllen, zum Beispiel:

  • mindestens 100.000 S$ Finanzierung von Investoren in einer Runde
  • Unterstützung durch einen anerkannten Inkubator oder Accelerator
  • eigenes, registriertes geistiges Eigentum mit echtem Wettbewerbsvorteil
  • Forschungskooperation mit einer Hochschule oder einem Institut in Singapur
  • Gründung und Verkauf eines finanzierten Tech-Unternehmens

Der EntrePass gilt zunächst ein Jahr. Für Verlängerungen musst du zeigen, dass das Geschäft wächst, unter anderem durch Mitarbeiter vor Ort.

ONE Pass: Für Spitzenverdiener mit einem festen Monatsgehalt von mindestens 30.000 S$ oder herausragenden Leistungen in Sport, Kultur oder Forschung. Er gilt fünf Jahre und erlaubt auch, eigene Firmen zu führen.

Global Investor Programme: Daueraufenthalt (PR) für Unternehmer mit großem Geschäft, etwa mit einer Investition ab 10 Mio. S$ in ein Unternehmen in Singapur und einer langjährigen Unternehmerhistorie mit hohem Umsatz.

Wer schon einige Jahre mit Arbeitspass in Singapur lebt, kann Daueraufenthalt beantragen. Einen Anspruch darauf gibt es nicht. Prüfe die aktuellen Kriterien vor dem Antrag direkt beim MOM.

Wegzug aus Deutschland

Ein Arbeitspass in Singapur allein reicht nicht. Damit Deutschland dich nicht weiter voll besteuert, musst du deinen Wohnsitz und deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland wirklich aufgeben. Behältst du eine Wohnung, die dir jederzeit zur Verfügung steht, bleibst du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.

Wegzugsbesteuerung: Hältst du Anteile an einer Kapitalgesellschaft (ab 1 %), kann der Wegzug eine Steuer auf den Wert dieser Anteile auslösen, so als hättest du sie verkauft. Das kann auch eine US LLC betreffen, wenn sie in Deutschland als Kapitalgesellschaft eingestuft wird. Auf Antrag zahlst du die Steuer in sieben Jahresraten.

Erweiterte beschränkte Steuerpflicht: Singapur gilt wegen des niedrigen Tarifs und der Steuerfreiheit für Auslandseinkommen in der Regel als Niedrigsteuerland im Sinne von § 2 AStG. Hast du als deutscher Staatsbürger weiter wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland, kann Deutschland deine deutschen Einkünfte bis zu zehn Jahre nach dem Wegzug stärker besteuern.

Doppelbesteuerungsabkommen: Zwischen Deutschland und Singapur gilt das DBA vom 28. Juni 2004, geändert durch ein Protokoll vom 9. Dezember 2019, das seit 29. März 2021 in Kraft ist. Es regelt unter anderem, wo du bei zwei Wohnsitzen als ansässig giltst, und enthält eine Überweisungsklausel: Wird Einkommen in Singapur nur bei Überweisung besteuert, kann die deutsche Entlastung davon abhängen. Singapur tauscht Kontodaten automatisch mit Deutschland aus. Prüfe den aktuellen Stand in der Übersicht des Bundesfinanzministeriums.

Passt eine US LLC zu Singapur?

Steuerlich nur eingeschränkt, und für den Aufenthalt gar nicht. Eine US LLC verschafft dir in Singapur kein Aufenthaltsrecht. Für EntrePass oder Employment Pass brauchst du in der Regel eine Singapur-Gesellschaft oder einen Arbeitgeber vor Ort.

Lebst du in Singapur und führst deine US LLC von dort, liegt ihre Kontrolle und Leitung voraussichtlich in Singapur. Eine feste Regel, wie Singapur eine US LLC einordnet, gibt es nicht. Grob gibt es zwei Fälle:

  • Die LLC wird als transparent behandelt. Dann gilt ihr Gewinn als dein eigenes Einkommen. Erbringst du die Arbeit in Singapur, ist es Einkommen aus Singapur und wird nach dem Tarif bis 24 % besteuert.
  • Die LLC wird wie eine Gesellschaft behandelt. Wird sie von Singapur aus geleitet, gilt sie dort als ansässig. Gewinne aus Leistungen, die in Singapur erbracht werden, fallen dann unter die Körperschaftsteuer von 17 %.

Singapur hat keine Regeln zur Hinzurechnung von Gewinnen ausländischer Gesellschaften. Das ändert aber nichts daran, dass Arbeit vor Ort in Singapur steuerpflichtig ist. Versprechen wie „mit US LLC in Singapur steuerfrei“ halten wir deshalb für falsch. Kläre die Einordnung vor dem Umzug, am besten mit einer verbindlichen Auskunft der Steuerbehörde IRAS.

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, ob Singapur zu deinem Business passt und wie deine US LLC dazu aufgestellt sein sollte.

Häufige Fragen

Muss ich in Singapur Steuern zahlen, wenn meine Kunden im Ausland sitzen?

Ja, wenn du die Arbeit in Singapur erbringst. Dann ist es Einkommen aus Singapur und wird nach dem normalen Tarif besteuert, egal wo die Kunden sitzen.

Ist mein Auslandseinkommen in Singapur wirklich steuerfrei?

Für Privatpersonen ja, auch wenn du es nach Singapur überweist. Ausgenommen ist Einkommen über eine Personengesellschaft in Singapur. Für Gesellschaften gelten andere Regeln.

Gibt es in Singapur ein Visum für digitale Nomaden?

Nein. Ein langfristiger Aufenthalt ist nur mit einem Arbeitspass wie Employment Pass, EntrePass oder ONE Pass oder über das Global Investor Programme möglich.

Muss ich als Ausländer in die CPF einzahlen?

Nein. Die CPF gilt nur für Staatsbürger und Personen mit Daueraufenthalt. Um deine Kranken- und Altersvorsorge kümmerst du dich selbst.

Gilt Singapur als Niedrigsteuerland nach § 2 AStG?

In der Regel ja. Behältst du wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland, kann Deutschland deine deutschen Einkünfte bis zu zehn Jahre nach dem Wegzug stärker besteuern.

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