Auswandern nach Großbritannien

FIG-Regime statt Non-Dom, Tarif bis 45 % und Visa nach dem Brexit: was du als Selbstständiger wissen musst.

Warum Großbritannien? Neues FIG-Regime statt Non-Dom

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Seit dem 6. April 2025 gibt es in Großbritannien keinen Non-Dom-Status mehr. An seine Stelle ist das FIG-Regime getreten: Wer neu zuzieht und zuvor zehn Steuerjahre lang nicht im Land ansässig war, zahlt bis zu vier Jahre lang keine Steuer auf Auslandseinkommen und ausländische Veräußerungsgewinne, auch wenn das Geld nach Großbritannien fließt.

Ein Steuerparadies ist Großbritannien trotzdem nicht. Einkommen, das im Land entsteht, wird mit bis zu 45 % besteuert, und das FIG-Regime hilft dir kaum, wenn du dein Business von dort aus führst. Gewinne aus einer Tätigkeit, die du in Großbritannien erbringst, sind britisches Einkommen, auch wenn deine Kunden im Ausland sitzen.

Dazu kommt der Brexit: Als Deutscher brauchst du für Arbeit und Business ein Visum, und für Selbstständige gibt es nur wenige Wege. Auf dieser Seite findest du den aktuellen Stand: Steuern, FIG-Regime, Visa, Wegzug aus Deutschland und wie eine US LLC zu Großbritannien passt.

Großbritannien auf einen Blick

Großbritannien besteuert grundsätzlich dein Welteinkommen, bietet Zuzüglern aber vier Jahre Steuerfreiheit auf Auslandseinkommen. Das sind die wichtigsten Punkte:

4 Jahre FIG-Regime

Wer zehn Jahre nicht im Land ansässig war, zahlt vier Jahre keine Steuer auf Auslandseinkommen. Britische Einkünfte bleiben steuerpflichtig.

Kein Non-Dom mehr

Seit April 2025 zählt nur noch die Ansässigkeit. Remittance Basis und Domizil-Status sind für die Einkommensteuer abgeschafft.

Tarif bis 45 %

Nach dem Freibetrag von 12.570 £ gelten 20 %, 40 % und 45 %. Über 100.000 £ Einkommen fällt der Freibetrag schrittweise weg.

Gewinne 19 bis 25 %

Eine Limited zahlt 19 % auf Gewinne bis 50.000 £ und 25 % ab 250.000 £. Dazwischen steigt die Belastung gleitend an.

Visum nötig

Seit dem Brexit brauchst du für Arbeit und Business ein Visum. Für Selbstständige gibt es nur wenige, anspruchsvolle Wege.

DBA mit Deutschland

Es gilt das DBA von 2010, geändert 2014 und 2021. Es regelt unter anderem, wo du bei zwei Wohnsitzen als ansässig giltst.

Großbritannien

Steuern in Großbritannien 2026

Wann du ansässig bist: Statutory Residence Test

Ob du in Großbritannien steuerlich ansässig bist, entscheidet der Statutory Residence Test. Er wird für jedes Steuerjahr geprüft, das vom 6. April bis zum 5. April läuft:

  • Automatisch ansässig bist du ab 183 Tagen im Land oder wenn deine einzige Wohnung für mindestens 91 Tage in Großbritannien liegt.
  • Automatisch nicht ansässig bist du bei weniger als 16 Tagen, wenn du in einem der drei Vorjahre ansässig warst, sonst bei weniger als 46 Tagen.
  • Dazwischen entscheiden deine Verbindungen ins Land, etwa Familie, Wohnung, Arbeit und frühere Aufenthalte. Je mehr Tage, desto weniger Verbindungen reichen.

Als Ansässiger versteuerst du grundsätzlich dein Welteinkommen.

Einkommensteuer 2026/27

In England, Wales und Nordirland gilt nach dem Grundfreibetrag von 12.570 £ ein Satz von 20 % bis 50.270 £, 40 % bis 125.140 £ und darüber 45 %. Ab 100.000 £ Einkommen sinkt der Freibetrag um 1 £ je 2 £ Mehreinkommen. Schottland hat einen eigenen Tarif mit mehr Stufen. Dividenden über 500 £ werden seit April 2026 mit 10,75 %, 35,75 % oder 39,35 % besteuert, Veräußerungsgewinne mit 18 % oder 24 %.

FIG-Regime für Zuzügler

Das FIG-Regime gilt für jeden, der nach mindestens zehn aufeinanderfolgenden Steuerjahren ohne britische Ansässigkeit zuzieht, unabhängig von Staatsangehörigkeit und Domizil. Für bis zu vier Steuerjahre ab Zuzug sind ausländische Einkünfte und Gewinne steuerfrei, etwa Zinsen, Dividenden ausländischer Gesellschaften, Mieten, Lizenzen und Veräußerungsgewinne auf Auslandsvermögen. Es kommt nicht darauf an, ob du das Geld nach Großbritannien holst. Du beantragst die Befreiung jedes Jahr in der Steuererklärung und verlierst in diesem Jahr den Grundfreibetrag und den Freibetrag für Veräußerungsgewinne. Ausländische Arbeitseinkünfte sind nur begrenzt befreit, höchstens 30 % und maximal 300.000 £ im Jahr.

Wichtig für Selbstständige

Das FIG-Regime erfasst Gewinne aus einem Gewerbe nur, wenn es vollständig außerhalb Großbritanniens betrieben wird. Arbeitest du auch nur teilweise vom Land aus, sind die Gewinne voll steuerpflichtig, auch wenn alle Kunden im Ausland sitzen. Für die meisten Onlineunternehmer ist das Regime deshalb vor allem für Kapitalerträge interessant.

Gesellschaften und Umsatzsteuer

Eine britische Limited zahlt 19 % Körperschaftsteuer auf Gewinne bis 50.000 £ und 25 % ab 250.000 £. Die Umsatzsteuer (VAT) beträgt 20 %, registrieren musst du dich ab 90.000 £ steuerpflichtigem Umsatz im Jahr.

Sozialversicherung

Als Selbstständiger zahlst du Class 4 National Insurance: 6 % auf Gewinne zwischen 12.570 £ und 50.270 £ und 2 % darüber. Class 2 ist seit 2024 freiwillig. Die Gesundheitsversorgung läuft über den staatlichen NHS.

Erbschaftsteuer

Auch hier zählt seit April 2025 die Ansässigkeit statt des Domizils. Wer in mindestens 10 der letzten 20 Steuerjahre ansässig war, unterliegt mit seinem weltweiten Vermögen der britischen Erbschaftsteuer.

Steuern in Großbritannien 2026
Aufenthalt und Visum nach dem Brexit
Großbritannien

Aufenthalt und Visum nach dem Brexit

Als Deutscher darfst du bis zu sechs Monate pro Besuch ohne Visum nach Großbritannien reisen. Seit April 2025 brauchst du dafür eine elektronische Reisegenehmigung (ETA). Als Besucher darfst du an Meetings teilnehmen und in begrenztem Umfang remote für einen Arbeitgeber im Ausland arbeiten. Ein Business in Großbritannien gründen oder betreiben darfst du nicht. Die EU-Freizügigkeit gilt nur noch für Personen, die vor Ende 2020 im Land gelebt und einen Status im EU Settlement Scheme haben.

Innovator Founder Visa: Der Weg für Gründer mit einer neuen, innovativen Geschäftsidee. Ein Mindestkapital ist nicht mehr vorgeschrieben, die Hürden sind trotzdem hoch. Diese Unterlagen und Nachweise brauchst du unter anderem:

  • Bestätigung (Endorsement) einer zugelassenen Prüfstelle (Endorsing Body), höchstens drei Monate alt
  • Businessplan für ein neues Unternehmen, das innovativ, tragfähig und skalierbar ist und Arbeitsplätze schaffen soll
  • Englischkenntnisse auf Niveau B2
  • Ersparnisse von mindestens 1.270 £, die du 28 Tage lang ununterbrochen gehalten hast
  • gültiger Reisepass

Das Visum gilt drei Jahre und kann verlängert werden. Nach zwölf und 24 Monaten musst du der Prüfstelle deine Fortschritte zeigen. Ein bestehendes Onlinebusiness, das du einfach mitnimmst, passt in der Regel nicht.

Global Talent Visa: Für anerkannte Spitzenkräfte oder Nachwuchstalente in Wissenschaft, Digitaltechnologie sowie Kunst und Kultur. Du brauchst eine Bestätigung einer zuständigen Stelle oder einen gelisteten Preis. Mit diesem Visum darfst du frei als Angestellter oder Selbstständiger arbeiten.

High Potential Individual: Für Absolventen einer gelisteten Top-Universität, deren Abschluss höchstens fünf Jahre zurückliegt. Das Visum gilt zwei Jahre, mit Promotion drei Jahre, erlaubt Selbstständigkeit, führt aber nicht zum Daueraufenthalt.

Skilled Worker: Für eine Anstellung brauchst du einen Arbeitgeber mit Sponsorlizenz, einen höher qualifizierten Job und in der Regel mindestens 41.700 £ Jahresgehalt.

Den Daueraufenthalt (Indefinite Leave to Remain) gibt es je nach Visum nach drei oder fünf Jahren. Hinweis: Die Regierung plant ein neues System, das den Daueraufenthalt stärker an Beiträge knüpft und die Regelzeit auf zehn Jahre anheben könnte. Beschlossen ist das noch nicht. Ab dem 26. März 2027 gilt für den Daueraufenthalt Englisch auf Niveau B2. Prüfe den Stand vor deinem Antrag.

Wegzug aus Deutschland

Ein Visum für Großbritannien allein reicht nicht. Damit Deutschland dich nicht weiter voll besteuert, musst du deinen Wohnsitz und deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland wirklich aufgeben. Behältst du eine Wohnung, die dir jederzeit zur Verfügung steht, bleibst du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.

Doppelbesteuerungsabkommen: Zwischen Deutschland und Großbritannien gilt das DBA vom 30. März 2010, in Deutschland angewendet seit dem 1. Januar 2011 und geändert durch Protokolle von 2014 und 2021. Es regelt unter anderem, wo du bei zwei Wohnsitzen als ansässig giltst. Das DBA enthält eine Klausel für Einkünfte, die in Großbritannien nur bei Überweisung besteuert werden. Ob sie beim neuen FIG-Regime noch greift, ist nach Einschätzung von KPMG fraglich, die Haltung der Finanzverwaltung steht aber noch aus.

Wegzugsbesteuerung: Hältst du Anteile an einer Kapitalgesellschaft (ab 1 %), kann der Wegzug eine Steuer auf den Wert dieser Anteile auslösen, so als hättest du sie verkauft. Das kann auch eine US LLC betreffen, wenn sie in Deutschland als Kapitalgesellschaft eingestuft wird. Auf Antrag zahlst du die Steuer in sieben Jahresraten.

Erweiterte beschränkte Steuerpflicht: Mit einem Tarif bis 45 % ist Großbritannien kein klassisches Niedrigsteuerland. § 2 AStG greift aber auch bei einer Vorzugsbesteuerung, und die frühere Remittance Basis wurde von deutschen Gerichten so eingeordnet. Nutzt du das FIG-Regime und hast als deutscher Staatsbürger weiter wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland, kann Deutschland deine deutschen Einkünfte deshalb bis zu zehn Jahre lang stärker besteuern. Prüfe das vor dem Umzug.

Großbritannien tauscht Daten zu Finanzkonten automatisch mit Deutschland aus. Britische Konten sind für das deutsche Finanzamt also sichtbar.

Passt eine US LLC zu Großbritannien?

Meist nur eingeschränkt, wenn du in Großbritannien lebst und von dort arbeitest. Das FIG-Regime ändert daran wenig, denn es befreit keine Gewinne aus Arbeit, die du im Land erbringst.

Die britische Steuerbehörde HMRC behandelt eine US LLC in der Regel wie eine Kapitalgesellschaft. Daraus folgt:

  • Ort der Geschäftsleitung: Wird deine US LLC tatsächlich von Großbritannien aus geführt, gilt sie dort als ansässige Gesellschaft. Dann zahlt sie 19 % bis 25 % Körperschaftsteuer auf ihren Gewinn, und Ausschüttungen an dich sind britische Dividenden. Das FIG-Regime greift dafür nicht.
  • Doppelbesteuerung: Die USA sehen eine US LLC mit nur einem Gesellschafter oft als transparent, Großbritannien nicht. Dieser Unterschied kann zu Doppelbesteuerung führen. Die Regierung hat vorgeschlagen, US LLCs für Privatpersonen künftig als transparent behandeln zu können. Beschlossen ist das noch nicht.

Achtung: Großbritannien hat eigene Regeln zur Hinzurechnung ausländischer Firmengewinne und gegen die Verlagerung von Einkünften ins Ausland. Eine ausländische Gesellschaft schützt Gewinne, die eigentlich aus deiner Arbeit in Großbritannien stammen, deshalb meist nicht.

Versprechen wie „mit US LLC in Großbritannien steuerfrei“ halten wir deshalb für falsch. Oft ist eine britische Limited die klarere Lösung. Kläre die Einordnung vor dem Umzug im Einzelfall, am besten mit einer verbindlichen Auskunft der HMRC.

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, ob Großbritannien zu deinem Business passt und wie deine US LLC dazu aufgestellt sein sollte.

Häufige Fragen

Was ist das FIG-Regime?

Eine Steuerbefreiung für Zuzügler, die zehn Jahre nicht in Großbritannien ansässig waren. Vier Steuerjahre lang bleiben Auslandseinkünfte und ausländische Gewinne steuerfrei, auch wenn du sie ins Land holst.

Bin ich mit Onlinebusiness und Auslandskunden steuerfrei?

In der Regel nein. Arbeitest du von Großbritannien aus, sind deine Gewinne britisches Einkommen. Das FIG-Regime gilt nur für ein Gewerbe, das vollständig im Ausland betrieben wird.

Gibt es den Non-Dom-Status noch?

Nein. Seit dem 6. April 2025 sind Domizil und Remittance Basis für die Einkommensteuer abgeschafft. Maßgeblich ist nur noch die Ansässigkeit nach dem Statutory Residence Test.

Welches Visum passt für Selbstständige?

Für Gründer mit innovativer Idee das Innovator Founder Visa, für Spitzenkräfte das Global Talent Visa. Junge Absolventen gelisteter Top-Universitäten können zwei Jahre mit dem High Potential Individual Visa kommen.

Gibt es ein DBA zwischen Deutschland und Großbritannien?

Ja. Es gilt das DBA vom 30. März 2010, geändert 2014 und 2021. Es regelt die Ansässigkeit bei zwei Wohnsitzen und die Aufteilung der Besteuerung.

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