Auswandern nach Gibraltar

Britisches Überseegebiet mit Steuerdeckel für Vermögende: Steuern, Aufenthalt und Wegzug 2026.

Warum Gibraltar? Britisch, klein und steuerlich gedeckelt

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Gibraltar ist ein britisches Überseegebiet an der Südspitze Spaniens. Amtssprache ist Englisch, bezahlt wird in Gibraltar-Pfund, das an das britische Pfund gekoppelt ist. Seit dem Brexit gehört Gibraltar nicht mehr zur EU. Seit dem 15. Juli 2026 wird ein Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich vorläufig angewendet, die Grenze zu Spanien ist seitdem offen.

Steuerlich ist Gibraltar vor allem für zwei Gruppen interessant: Gesellschaften, die nur auf Gewinne aus Gibraltar 15 % zahlen, und sehr vermögende Privatpersonen. Mit dem Category 2 Status ist die Einkommensteuer nach oben gedeckelt. Kapitalgewinne, Erbschaften und Bankzinsen werden nicht besteuert.

Für Selbstständige ist Gibraltar aber kein Steuerparadies. Wer dort normal lebt und arbeitet, zahlt Einkommensteuer auf sein Einkommen, bei höheren Gewinnen insgesamt rund 25 %. Dazu kommen seit 2026 deutlich strengere Regeln für neue Einwohner. Hier findest du den aktuellen Stand.

Gibraltar auf einen Blick

Gibraltar ist kein Land ohne Einkommensteuer, sondern ein Gebiet mit moderaten Sätzen und einem Steuerdeckel für Vermögende. Das sind die wichtigsten Punkte:

Kein EU-Mitglied

Gibraltar ist britisches Überseegebiet. Seit Juli 2026 ist die Grenze zu Spanien offen, für einen Wohnsitz brauchst du aber eine Aufenthaltserlaubnis.

Zwei Steuersysteme

Du wählst jedes Jahr das günstigere System. Bei höherem Einkommen liegt die Gesamtbelastung bei rund 25 %.

Gesellschaften 15 %

Gesellschaften zahlen 15 % auf Gewinne aus Gibraltar. Entscheidend ist, wo die Tätigkeit tatsächlich ausgeübt wird.

Category 2 Status

Vermögende zahlen Steuer nur auf die ersten 118.000 £ Einkommen. Neue Antragsteller brauchen künftig 5 Mio. £ Nettovermögen.

Kapitalgewinne frei

Gibraltar erhebt keine Steuer auf Kapitalgewinne, Erbschaften, Schenkungen oder Vermögen. Bankzinsen sind ebenfalls steuerfrei.

Nur Auskunftsabkommen

Ein DBA mit Deutschland gibt es nicht. Seit 2010 gilt ein Abkommen über den Austausch von Steuerinformationen.

Gibraltar

Steuern in Gibraltar 2026

Ansässigkeit

Als ansässig giltst du, wenn du dich in einem Steuerjahr mindestens 183 Tage in Gibraltar aufhältst oder in drei aufeinanderfolgenden Steuerjahren insgesamt mehr als 300 Tage. Das Steuerjahr läuft vom 1. Juli bis zum 30. Juni.

Territorialprinzip, aber nicht für alles

Gibraltar besteuert grundsätzlich Einkünfte, die in Gibraltar entstehen. Für Gesellschaften gilt das konsequent. Für ansässige Privatpersonen gibt es wichtige Ausnahmen: Einkommen aus Anstellung und aus selbstständiger Tätigkeit wird nach den Übersichten von EY und örtlichen Kanzleien weltweit besteuert. Nicht besteuert werden unter anderem:

  • Kapitalgewinne
  • Zinsen auf Bankguthaben
  • Dividenden börsennotierter Gesellschaften und von Gesellschaften ohne in Gibraltar steuerpflichtiges Einkommen

Einkommensteuer

Es gibt zwei Systeme, und du wählst jedes Jahr das günstigere. Im Gross Income Based System (GIBS) gelten ohne Freibeträge bei einem Einkommen über 25.000 £ diese Stufen:

  • bis 17.000 £: 16 %
  • 17.001 bis 25.000 £: 19 %
  • 25.001 bis 40.000 £: 25 %
  • 40.001 bis 105.000 £: 28 %
  • darüber: 25 %

Das Allowance Based System (ABS) berücksichtigt persönliche Freibeträge, hat aber Sätze von 14 %, 17 % und über 16.000 £ steuerpflichtigem Einkommen 39 %. Für Selbstständige mit gutem Gewinn ist meist GIBS günstiger. Mit dem Haushalt 2026 hat Gibraltar die Sätze nicht verändert.

Wichtig für Selbstständige

Arbeitest du in Gibraltar für Kunden im Ausland, zahlst du auf deinen Gewinn Einkommensteuer nach GIBS oder ABS. Der Sitz deiner Kunden spielt dafür keine Rolle.

Gesellschaften

Seit dem 1. Juli 2024 beträgt die Körperschaftsteuer 15 %. Besteuert wird nur, was in Gibraltar entsteht. Maßgeblich ist, wo die Tätigkeiten, die den Gewinn erzeugen, physisch stattfinden. Eine feste Betriebsstätte ist dafür nicht nötig.

Sozialversicherung

Selbstständige zahlen 20 % ihres Einkommens, mindestens 30,45 £ und höchstens 53,55 £ pro Woche. Die Beiträge sind also nach oben gedeckelt.

Steuern in Gibraltar 2026
Aufenthalt und Wohnsitz
Gibraltar

Aufenthalt und Wohnsitz

Seit dem Brexit gilt für Deutsche keine Freizügigkeit mehr. Seit der vorläufigen Anwendung des EU-Abkommens am 15. Juli 2026 gibt es an der Landgrenze zu Spanien keine Routinekontrollen mehr. Am Hafen und am Flughafen prüfen Gibraltar und Spanien gemeinsam nach den Schengen-Regeln. Als Besucher darfst du bis zu 90 Tage in 180 Tagen bleiben. Für einen Wohnsitz brauchst du eine Aufenthaltserlaubnis.

Neu seit Juli 2026: Mit den Residency Regulations 2026 gelten für neue Antragsteller strengere Regeln. Mögliche Wege sind vor allem Anstellung und Selbstständigkeit. Voraussetzungen sind unter anderem:

  • Einkommen mindestens in Höhe des Durchschnittsverdiensts in Gibraltar, derzeit 37.500 £ brutto im Jahr
  • eine Wohnung als echter Hauptwohnsitz, gekauft oder für mindestens 12 Monate gemietet, keine Ferienwohnung
  • eine Sicherheitsüberprüfung durch die Behörden deines bisherigen Wohnsitzlands
  • in der Regel ein Alter bis 55 Jahre
  • als neuer Selbstständiger eine Kaution für Sozialabgaben und Steuer im ersten Jahr

Die Erlaubnis gilt jeweils ein Jahr und wird verlängert, solange die Voraussetzungen erfüllt sind und Steuern und Beiträge laufen. Ein Daueraufenthalt ist nach aktuellem Stand erst nach zehn Jahren möglich.

Category 2: Dieser Status richtet sich an Vermögende. Du zahlst Einkommensteuer nur auf die ersten 118.000 £ deines Einkommens. Nach den Werten 2025/26 liegt die Steuer damit bei mindestens 37.000 £ und höchstens 42.380 £ im Jahr. Voraussetzungen:

  • Nettovermögen von mindestens 2 Mio. £; für neue Antragsteller hat die Regierung im Juni 2026 eine Anhebung auf 5 Mio. £ angekündigt
  • eine von der Behörde genehmigte Wohnung zur ausschließlich eigenen Nutzung, gekauft oder gemietet
  • private Krankenversicherung
  • Steuervorauszahlung in Höhe der Höchststeuer
  • in der Regel kein Wohnsitz in Gibraltar in den Jahren vor dem Antrag

Mit Category 2 darfst du in Gibraltar grundsätzlich nicht arbeiten oder ein Geschäft betreiben, außer es wurde vorher genehmigt.

HEPSS: Dieser Status gilt für leitende Angestellte mit Spezialwissen, die mehr als 160.000 £ im Jahr bei einem Arbeitgeber in Gibraltar verdienen. Besteuert werden nur die ersten 160.000 £. Auch hier ist eine genehmigte Wohnung Pflicht. Für Selbstständige mit eigener US LLC passt HEPSS nicht.

Wegzug aus Deutschland

Eine Aufenthaltserlaubnis in Gibraltar allein reicht nicht. Damit Deutschland dich nicht weiter voll besteuert, musst du deinen Wohnsitz und deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland wirklich aufgeben. Behältst du eine Wohnung, die dir jederzeit zur Verfügung steht, bleibst du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.

Kein Doppelbesteuerungsabkommen: Das DBA zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich gilt nicht für Gibraltar. Ein eigenes DBA gibt es nicht. Es fehlt also eine Regel, die bei zwei Wohnsitzen entscheidet, wo du ansässig bist. Ein klarer, vollständiger Wegzug ist deshalb besonders wichtig. Seit 2010 gilt ein Abkommen über den Auskunftsaustausch auf Anfrage. Kontodaten tauschen beide Seiten zudem automatisch nach dem OECD-Standard aus.

Wegzugsbesteuerung: Hältst du Anteile an einer Kapitalgesellschaft (ab 1 %), kann der Wegzug eine Steuer auf den Wert dieser Anteile auslösen, so als hättest du sie verkauft. Das kann auch eine US LLC betreffen, wenn sie in Deutschland als Kapitalgesellschaft eingestuft wird. Auf Antrag zahlst du die Steuer in sieben Jahresraten.

Erweiterte beschränkte Steuerpflicht: Ob Gibraltar mit dem normalen Tarif als Niedrigsteuerland im Sinne von § 2 AStG gilt, hängt von deinem Einkommen ab. Mit dem Steuerdeckel von Category 2 oder HEPSS liegt eine Vorzugsbesteuerung nahe. Hast du als deutscher Staatsbürger weiter wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland, kann Deutschland deine deutschen Einkünfte dann bis zu zehn Jahre lang stärker besteuern.

Passt eine US LLC zu Gibraltar?

Meist nicht so, wie man es sich erhofft. Das Territorialprinzip für Gesellschaften klingt nach einer Lösung, hilft dir aber nicht, wenn du selbst in Gibraltar arbeitest.

Führst du deine US LLC von Gibraltar aus, liegen Geschäftsleitung und Tätigkeit dort. Wie Gibraltar die LLC einordnet, ist nicht ausdrücklich geregelt. Grob gibt es zwei Fälle:

  • Die LLC wird als transparent behandelt. Dann gilt ihr Gewinn als dein Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit. Er wird in Gibraltar nach GIBS oder ABS besteuert, auch wenn das Geld in den USA bleibt.
  • Die LLC wird wie eine Kapitalgesellschaft behandelt. Wird sie von Gibraltar aus geleitet, gilt sie dort als ansässig. Weil die Arbeit in Gibraltar stattfindet, entsteht der Gewinn dort und unterliegt 15 % Körperschaftsteuer. Ausschüttungen an dich können zusätzlich steuerpflichtig sein.

Mit Category 2 ist die Steuer zwar gedeckelt, aber eine eigene Geschäftstätigkeit in Gibraltar ist nur mit Genehmigung erlaubt. Versprechen wie „mit US LLC in Gibraltar steuerfrei“ halten wir deshalb für falsch. Kläre die Einordnung vor dem Umzug, am besten mit einer verbindlichen Auskunft des Income Tax Office in Gibraltar.

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, ob Gibraltar zu deinem Business passt und wie deine US LLC dazu aufgestellt sein sollte.

Häufige Fragen

Ist Gibraltar steuerfrei, wenn meine Kunden im Ausland sitzen?

Nein. Als ansässiger Selbstständiger zahlst du Einkommensteuer auf deinen Gewinn, egal wo die Kunden sitzen. Bei höherem Einkommen liegt die Belastung bei rund 25 %.

Gehört Gibraltar zur EU oder zum Schengen-Raum?

Nein. Gibraltar ist britisches Überseegebiet. Seit Juli 2026 gibt es an der Landgrenze zu Spanien keine Routinekontrollen mehr, am Hafen und Flughafen gelten Schengen-Kontrollen.

Brauche ich als Deutscher eine Aufenthaltserlaubnis?

Ja, wenn du länger als 90 Tage in 180 Tagen bleiben oder dort wohnen willst. Seit Juli 2026 gelten dafür ein Mindesteinkommen und eine Wohnung als Hauptwohnsitz.

Was bringt der Category 2 Status?

Du zahlst Einkommensteuer nur auf die ersten 118.000 £ Einkommen, also höchstens rund 42.000 £ im Jahr. Dafür brauchst du ein hohes Nettovermögen und eine genehmigte Wohnung.

Gibt es ein DBA zwischen Deutschland und Gibraltar?

Nein. Das DBA mit dem Vereinigten Königreich gilt nicht für Gibraltar. Es gibt nur ein Abkommen über den Austausch von Steuerinformationen.

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