Auswandern nach Australien

Temporary Resident Regel, Steuersätze bis 45 % und Visa 2026: was du als Selbstständiger wissen musst.

Warum Australien? Auslandseinkommen frei mit Zeitvisum

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Australien besteuert Ansässige grundsätzlich auf ihr Welteinkommen, und das mit Sätzen bis 45 % plus 2 % Medicare Levy. Ein Niedrigsteuerland ist Australien also nicht. Interessant ist aber eine Sonderregel: Wer mit einem temporären Visum im Land lebt, gilt als Temporary Resident. Dann bleibt Einkommen aus dem Ausland in Australien grundsätzlich steuerfrei, solange dieser Status besteht.

Für Selbstständige ist ein Punkt entscheidend: Arbeit, die du in Australien erbringst, gilt als australisches Einkommen, auch wenn deine Kunden in Deutschland sitzen. Die Sonderregel hilft dir deshalb vor allem bei Kapitalerträgen und Einkünften, die wirklich im Ausland entstehen.

Die größere Hürde ist das Visum. Klassische Unternehmervisa gibt es seit 2024 nicht mehr für neue Anträge. Auf dieser Seite findest du den aktuellen Stand: Steuern, Temporary Resident Regel, realistische Visa, Wegzug aus Deutschland und wie eine US LLC zu Australien passt.

Australien auf einen Blick

Australien ist ein Hochsteuerland mit einer interessanten Ausnahme für Zuzügler mit temporärem Visum. Das sind die wichtigsten Punkte:

Temporary Resident

Mit temporärem Visum bleibt Auslandseinkommen in Australien frei. Arbeit, die du vor Ort erbringst, ist aber steuerpflichtig.

Steuersatz bis 45 %

Ansässige zahlen 0 % bis 45 % plus 2 % Medicare Levy. Die zweite Stufe sinkt am 1. Juli 2026 auf 15 % und 2027 auf 14 %.

Firmen 25 bis 30 %

Gesellschaften mit unter 50 Mio. A$ Umsatz und wenig passiven Einkünften zahlen 25 %, alle anderen 30 % Körperschaftsteuer.

Kein Visum für Gründer

Die Unternehmervisa 188 und 132 nehmen seit Juli 2024 keine neuen Anträge an. Ein Visum für digitale Nomaden gibt es nicht.

Working Holiday bis 35

Seit 1. Juli 2026 können Deutsche bis zum Alter von 35 Jahren ein Working Holiday Visum für zwölf Monate beantragen.

DBA mit Deutschland

Das DBA vom 12. November 2015 ist seit Dezember 2016 in Kraft. Es regelt unter anderem, wo du bei zwei Wohnsitzen ansässig bist.

Australien

Steuern in Australien 2026

Wann du in Australien ansässig bist

Australien prüft die Ansässigkeit anhand mehrerer Tests. Der wichtigste ist, ob du in Australien im gewöhnlichen Sinn wohnst (resides test). Daneben bist du ansässig, wenn dein Domizil in Australien liegt und du keinen ständigen Wohnsitz im Ausland hast, oder wenn du mehr als die Hälfte des Steuerjahres im Land bist, es sei denn, dein gewöhnlicher Wohnsitz liegt woanders. Die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle. Das Steuerjahr läuft vom 1. Juli bis zum 30. Juni.

Einkommensteuer: Stufentarif bis 45 %

Für Ansässige gilt 2026/27 dieser Tarif:

  • bis 18.200 A$: 0 %
  • 18.201 bis 45.000 A$: 15 % (ab 1. Juli 2027: 14 %)
  • 45.001 bis 135.000 A$: 30 %
  • 135.001 bis 190.000 A$: 37 %
  • über 190.000 A$: 45 %

Dazu kommt in der Regel die Medicare Levy von 2 %, bei höherem Einkommen ohne private Krankenhausversicherung ein Zuschlag von 1 % bis 1,5 %. Nicht Ansässige zahlen ab dem ersten Dollar 30 %, ohne Grundfreibetrag. Für Working Holiday Maker gelten 15 % auf die ersten 45.000 A$.

Temporary Resident Regel

Als Temporary Resident giltst du, wenn du ein temporäres Visum hast, nicht als ansässig im Sinne des australischen Sozialrechts giltst und keinen Ehe- oder Lebenspartner hast, der dort als ansässig gilt. Dann sind ausländische Einkünfte grundsätzlich steuerfrei, auch Zinsen, Dividenden und die meisten ausländischen Veräußerungsgewinne. Steuerpflichtig bleibt alles, was aus Australien stammt.

Wichtig für Selbstständige

Bei Dienstleistungen zählt in der Regel der Ort, an dem du arbeitest. Erbringst du deine Leistung in Australien, ist der Gewinn australisches Einkommen, auch wenn die Kunden im Ausland sitzen und das Geld auf ein ausländisches Konto fließt. Auch Einkommen aus Arbeit im Ausland kann als Temporary Resident steuerpflichtig sein, das hängt vom Einzelfall und dem DBA ab.

Gesellschaften und GST

Australische Gesellschaften zahlen 30 % Körperschaftsteuer. Kleinere Firmen mit unter 50 Mio. A$ Umsatz, deren Einkünfte höchstens zu 80 % passiv sind, zahlen 25 %. Auf Umsätze in Australien fällt die Goods and Services Tax (GST) von 10 % an, sobald du die Umsatzgrenze für die Registrierung überschreitest.

Sozialversicherung

Eine gesetzliche Rentenversicherung nach deutschem Muster gibt es nicht. Arbeitgeber zahlen in die kapitalgedeckte Superannuation ein, für Selbstständige ist das freiwillig. Die staatliche Gesundheitsversorgung Medicare steht Deutschen mit temporärem Visum nicht zu, weil es kein Gesundheitsabkommen mit Deutschland gibt. Du brauchst also eine private Krankenversicherung und kannst in der Regel eine Befreiung von der Medicare Levy beantragen.

Steuern in Australien 2026
Aufenthalt und Visum
Australien

Aufenthalt und Visum

Als Deutscher kannst du mit dem eVisitor (Subclass 651) für bis zu drei Monate pro Aufenthalt einreisen. Das Visum ist für Urlaub und kurze Geschäftsbesuche gedacht, nicht für Arbeit für australische Kunden und nicht für einen Umzug. Für Selbstständige gehört Australien beim Visum zu den schwierigeren Ländern.

Unternehmervisa geschlossen: Das Business Innovation and Investment Program (Subclass 188) und das Business Talent Visum (Subclass 132) nehmen seit dem 31. Juli 2024 keine neuen Anträge mehr an. Ein Visum für digitale Nomaden gibt es nicht.

Working Holiday (Subclass 417): Der einfachste Weg für Jüngere. Seit dem 1. Juli 2026 können Deutsche das Visum bis zum Alter von 35 Jahren beantragen. Voraussetzungen sind unter anderem:

  • deutscher Reisepass und keine mitreisenden Kinder
  • ausreichende Mittel für den Start, nach Angaben der Behörde rund 5.000 A$
  • Gesundheits- und Charakteranforderungen

Du darfst bis zu zwölf Monate bleiben und in der Regel höchstens sechs Monate bei einem Arbeitgeber arbeiten. Ein zweites oder drittes Jahr gibt es nur nach bestimmten Tätigkeiten, etwa in der Landwirtschaft in ländlichen Regionen.

Skills in Demand (Subclass 482): Ein temporäres Visum mit Sponsor. Ein Arbeitgeber oder auch deine eigene australische Gesellschaft, wenn sie als Sponsor zugelassen ist, muss dich in einem gelisteten Beruf beschäftigen. Das Gehalt muss marktüblich sein und mindestens die Einkommensgrenze erreichen, die jährlich angepasst wird.

Punktebasierte Visa: Mit einem gelisteten Beruf, einer anerkannten Qualifikation und genug Punkten kommen die Visa 189, 190 oder das regionale Visum 491 in Frage. In der Regel musst du unter 45 Jahre alt sein.

National Innovation Visa (Subclass 858): Seit Dezember 2024 für Menschen mit international anerkannten, herausragenden Leistungen. Du kannst dich nur auf Einladung bewerben.

Achtung: Die Visa 189, 190 und 858 sind dauerhafte Visa. Mit ihnen bist du kein Temporary Resident mehr und versteuerst dein Welteinkommen. Das gilt auch, sobald du später ein dauerhaftes Visum bekommst. Prüfe die aktuellen Voraussetzungen vor dem Antrag beim Department of Home Affairs.

Wegzug aus Deutschland

Ein Visum für Australien allein reicht nicht. Damit Deutschland dich nicht weiter voll besteuert, musst du deinen Wohnsitz und deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland wirklich aufgeben. Behältst du eine Wohnung, die dir jederzeit zur Verfügung steht, bleibst du in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.

Doppelbesteuerungsabkommen: Zwischen Deutschland und Australien gilt das DBA vom 12. November 2015. Es ist seit dem 7. Dezember 2016 in Kraft und wird seit 2017 angewendet. Es regelt unter anderem, wo du bei zwei Wohnsitzen als ansässig giltst. Prüfe den aktuellen Stand in der Übersicht des Bundesfinanzministeriums.

Wegzugsbesteuerung: Hältst du Anteile an einer Kapitalgesellschaft (ab 1 %), kann der Wegzug eine Steuer auf den Wert dieser Anteile auslösen, so als hättest du sie verkauft. Das kann auch eine US LLC betreffen, wenn sie in Deutschland als Kapitalgesellschaft eingestuft wird. Auf Antrag zahlst du die Steuer in sieben Jahresraten.

Erweiterte beschränkte Steuerpflicht: Mit Sätzen bis 45 % ist Australien im Allgemeinen kein Niedrigsteuerland. Das Außensteuergesetz zählt aber auch eine Vorzugsbesteuerung für Zuzügler als niedrige Besteuerung. Ob die Temporary Resident Regel in deinem Fall darunter fällt, solltest du prüfen lassen. Hast du als deutscher Staatsbürger weiter wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland, kann Deutschland deine deutschen Einkünfte dann bis zu zehn Jahre lang stärker besteuern (§ 2 AStG).

Sozialversicherung: Seit 2003 gibt es ein Abkommen über soziale Sicherheit, das vor allem Rentenansprüche aus beiden Ländern berücksichtigt. Australien tauscht außerdem Daten zu Finanzkonten automatisch mit Deutschland aus.

Passt eine US LLC zu Australien?

Nur eingeschränkt, wenn du in Australien lebst und dort arbeitest. Auch mit Temporary Resident Status ist Einkommen aus Arbeit vor Ort australisches Einkommen, egal über welche Gesellschaft es läuft.

Wie Australien deine US LLC einordnet, hängt davon ab, wie sie in den USA besteuert wird. Grob gibt es zwei Fälle:

  • Die LLC wird als transparent behandelt. Das gilt nach australischem Recht vor allem für eine US LLC, die in den USA als Partnership besteuert wird. Dann gilt ihr Gewinn als dein eigenes Einkommen und wird nach dem Stufentarif besteuert, soweit du die Leistung in Australien erbringst.
  • Die LLC wird wie eine Kapitalgesellschaft behandelt. Das betrifft nach aktuellem Verständnis oft auch die Single Member US LLC. Führst du sie von Australien aus und betreibt sie Geschäfte, liegt ihr Ort der Geschäftsleitung (central management and control) in Australien. Dann gilt sie als australische Gesellschaft und zahlt 25 % oder 30 % auf ihr Welteinkommen. Die Temporary Resident Regel hilft hier nicht.

Die australischen Hinzurechnungsregeln für ausländische Gesellschaften (CFC-Regeln) gelten für Temporary Residents nicht. Das schützt aber keine Gesellschaft, die selbst in Australien ansässig ist.

Versprechen wie „mit US LLC in Australien steuerfrei“ halten wir deshalb für zu einfach. Kläre die Einordnung vor dem Umzug, am besten mit einer verbindlichen Auskunft der Steuerbehörde ATO (private ruling).

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, ob Australien zu deinem Business passt und wie deine US LLC dazu aufgestellt sein sollte.

Häufige Fragen

Muss ich in Australien Steuern zahlen, wenn meine Kunden im Ausland sitzen?

In der Regel ja, wenn du die Arbeit in Australien erbringst. Maßgeblich ist der Ort der Tätigkeit, nicht der Sitz der Kunden. Das gilt auch als Temporary Resident.

Wie lange gilt die Temporary Resident Regel?

Es gibt keine feste Frist. Sie gilt, solange du ein temporäres Visum hast und keinen Partner, der in Australien als ansässig gilt. Mit einem dauerhaften Visum endet sie.

Gibt es ein Visum für Selbstständige oder digitale Nomaden?

Nein. Die Unternehmervisa 188 und 132 sind seit Juli 2024 geschlossen. Realistisch sind vor allem Working Holiday, ein Visum mit Sponsor oder ein punktebasiertes Visum.

Gibt es ein DBA zwischen Deutschland und Australien?

Ja. Das DBA vom 12. November 2015 ist seit dem 7. Dezember 2016 in Kraft und regelt unter anderem die Ansässigkeit bei zwei Wohnsitzen.

Bin ich in Australien krankenversichert?

Nicht über Medicare, solange du als Deutscher ein temporäres Visum hast. Plane eine private Krankenversicherung ein, für viele Visa ist sie Pflicht.

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